Die neue Sanierungsinsolvenz schafft Sanierungspotenzial unter Erhalt der Autonomie des Unternehmens!

 

Hintergründe der Neuregelung einer „Sanierungsinsolvenz“ über das ESUG und die InsO.

Autor: Diplom-Kaufmann Dr. Rainer Schenk, Kanzlei hofmann & partner.

Keywords: ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen), InsO (Insolvenzordnung), Sanierungsinsolvenz, Regelinsolvenz, Insolvenzplan

In der Krise eines Unternehmens bietet die „Sanierungsinsolvenz“ einzigartige Vorteile:

  • Schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit hat man als Unternehmen die Möglichkeit, sich unter den Schutz der InsO zu stellen. Dadurch wird das vorhandene Unternehmensvermögen geschützt und zusammengehalten.
  • Der Insolvenzantragsgrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist rein fakultativ und steht im Entscheidungsermessen des Unternehmers. Dadurch können zeitliche Spielräume zur Vorbereitung der Sanierungsinsolvenz genutzt werden und man muß nicht befürchten, dass von dritter Seite her Insolvenzantrag gestellt wird.
  • Für den Erfolg einer „Sanierungsinsolvenz“ ist die Unternehmens-Kommunikation mit den wesentlichen Gläubigern und der Belegschaft von entscheidender Bedeutung.
  • Als Unternehmen kann man selbst entscheiden, ob man im Rahmen des Insolvenzantrags den Weg des Regelinsolvenzverfahrens oder den der Eigenverwaltung (optional mit Bildung eines Gläubigerausschusses) geht.
  • Die „Sanierungsinsolvenz” ermöglicht, dass das Unternehmen kostengünstig saniert werden kann. So gibt es Erleichterungen bei Kündigungen von Mitarbeitern, den Zugang zum Insolvenzgeld für die Mitarbeiter und die Möglichkeit, wirtschaftlich ungünstige Verträge mit Geschäftspartnern etc. aufzulösen bzw. zu kündigen. Die ansonsten vertraglich und gesetzlich geltenden Auflösungs- und Kündigungsgründe werden durch die „Sanierungsinsolvenz“ außer Kraft gesetzt.
  • Im Gegensatz zu der alten Regelung in der InsO, hat man als Unternehmen, Unternehmer bzw. Unternehmerin auch die Möglichkeit, den eigenen „Sanierungsplan“ oder auch „Insolvenzplan“ gegen Akkordstörer (Störenfriede unter den Gläubigern, die generell und notorisch eine Sanierung verhindern wollen) durchzusetzen. Im Rahmen der „Sanierungsinsolvenz“ kommt es de facto zu einem Entschuldungsabkommen mit den Gläubigern, analog zu einer außergerichtlichen Sanierung bzw. Schuldenbereinigung, jedoch ohne bisher erforderliche Mindestquote. Hinzu kommen weitere Erleichterungen durch das ESUG.

 

  • Insgesamt erhöhen sich die Sanierungschancen, und bei insolvenzantragspflichtigen Unternehmen verringert man die Haftungs- und Strafbarkeitsrisiken gegen Null.

 

 

 

(Vgl. auch Ehlers, Harald, Sanierungsberatung, die überraschende Flucht von Vertragspartnern in die Sanierungsinsolvenz, Betriebswirtschaftliche Beratung 06/16, NWB Verlag)