Gewerbeanmeldung – der Beginn des eigenen Unternehmens
 
gewerbeanmeldungDie Gewerbeanmeldung ist der erste Schritt in eine erfolgreiche Selbständigkeit, unabhängig davon, welche Rechtsform Sie für Ihr Unternehmen wählen. Ausgenommen von einer Gewerbeanmeldung sind die freien Berufe bzw. die freiberufliche Tätigkeit von Einzelpersonen bzw. von Personengesellschaften. Freie Berufe sind stellen somit keinen Gewerbebetrieb dar. Welche Berufe unter die „freien Berufe“ zählen, regelt § 18 Einkommensteuergesetz. In Ergänzung dazu gibt es einen von der Finanzverwaltung erlassenen Katalog. Wer also einen so-genannten „Katalogberuf“ bzw. eine freiberufliche Tätigkeit selbständig ausübt, ist nicht gewerbesteuerpflichtig. Darüber hinaus sind diese Berufsträger nicht verpflichtet, gegenüber dem Finanzamt Bücher zu führen. Hier reicht eine einfache Gewinnermittlung in Form einer Einnahmen-Überschussrechnung aus. Wir gehen in einem weiteren Beitrag auf die Besonderheiten der freien Berufe noch näher ein.
Beschäftigen wir uns also zunächst mit den „Gewerbetreibenden“ und den „Gewerbebetrieben“ und der Anmeldepflicht. Wer in Deutschland eigene Waren, Produkte und verkauft o-der mit diesen handelt, ist grundsätzlich verpflichtet, dafür ein Gewerbe anzumelden. Das gilt auch für Dienstleistungen, die man am Markt anbietet. Durch die Gewerbefreiheit darf jedermann, sofern er geschäftsfähig ist, ein solches Gewerbe anmelden. Bei einigen Gewerbe-zweigen ist jedoch der Gewerbeschein (diesen erhält man im Rahmen der Gewerbeanmeldung) nicht ausreichend und es bedarf einer speziellen Gewerbeerlaubnis.
Gründung eines Handwerkbetriebes
Möchte beispielsweise ein Handwerker ein Gewerbe anmelden, so läuft diese Anmeldung im Vergleich zu anderen Gewerbezweigen etwas ab. Für zukünftige selbstständige Handwerker reicht somit das Beantragen eines Gewerbescheines nicht aus. Die Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Gemeinde kann nur erfolgen, wenn vorher bei der zuständigen Handwerks-kammer eine Genehmigung zur Ausübung des entsprechenden Handwerksberufes eingeholt wurde. Das Handwerk wird dann in die sogenannte Handwerksrolle aufgenommen. Nach Vorlage des Meisterbriefes wird dann durch die Handwerkskammer die sogenannte „Hand-werkskarte“ ausgehändigt. Mit dieser kann man erst bei der Gemeinde, dem Gewerbeamt, die Gewerbeanmeldung vornehmen. Es gibt auch sogenannte „handwerksähnliche“ Berufe, für die kein Meisterbrief benötigt wird, aber dennoch die Eintragung in die Handwerksrolle erfolgen muss.
Die Gewerbeanmeldung des Handwerkbetriebs reicht aber noch nicht ganz aus, um mit dem Gewerbe des selbstständigen Handwerks starten zu können. Vorher muss noch die Genehmi-gung bei der Unteren Bauaufsicht (UBA) eingeholt werden. Die UBA ist eine Behörde und Teil des zuständigen Landratsamtes.
Im Zuge der Gewerbeanmeldung erfolgt durch das Gewerbeamt automatisch eine Meldung an das zuständige Finanzamt und die Berufsgenossenschaft. Hinsichtlich der Berufsgenossen-schaft wird man mit seinem Unternehmen sozusagen „Zwangsmitglied“ oder „freiwilliges Mitglied“. Zukünftige Arbeitnehmer des Betriebes werden automatisch pflichtversichert. Näheres hierzu erläutert Ihnen auch der Steuerberater, den Sie womöglich für Ihre Lohnbuchhaltung engagieren.
Auch wenn Sie Ihren Handwerksberuf selbständig über eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder Unternehmergesellschaft, aber auch eine Limited) ausüben wollen, müssen Sie dieselben Schritte einhalten, wie als Einzelunternehmer.
Gründung andere Gewerbebetriebe
Sofern man keinen Handwerksbetrieb oder eine andere erlaubnispflichtige Tätigkeit (z.B. Gastronomen, Versicherungswirtschaft, Finanzdienstleister etc.) ausübt und nicht freiberuflich tätig sein möchte, ist die Gewerbeanmeldung auf direktem Weg möglich und vorzunehmen. Die Gewerbeanmeldung erfolgt unabhängig davon, ob Sie als natürliche Person (Einzel-unternehmen) oder in Form einer Kapitalgesellschaft (GmbH oder Unternehmergesellschaft, aber auch eine Limited) das Gewerbe betreiben möchten. Soll der Weg über eine Kapitalgesellschaft gehen, muss natürlich vorher diese Gesellschaft bei einem Notar gegründet werden und die Eintragung im Handelsregister abgewartet werden, bevor dieser Nachweis der Eintragung gegenüber dem Gewerbeamt nachgewiesen werden kann. Natürlich kann man schon vor der Eintragung im Handelsregister das Gewerbe anmelden und die Unterlagen des Registergerichts dann nachreichen. Die Eintragung im Handelsregister veranlasst der bestellte Geschäftsführer und der Notar, bei dem die Gründung der Kapitalgesellschaft erfolgt ist.
Die Gewerbeanmeldung erfolgt über das vollständig ausgefülltes Formular GewA.
Zum Nachweis der Identität bei natürlichen Personen ist die persönlicher Vorsprache not-wendig. Bei eintragungspflichtigen Unternehmen (Handelsregister) hat der gesetzliche Vertreter die Gewerbeanmeldung ebenso durch persönliche Vorsprache und durch Vorlage des Registerauszugs vorzunehmen.
Bei genehmigungspflichtigen oder zulassungspflichtigen Gewerbebetrieben ist die entsprechende Genehmigung bei erlaubnis- bzw. zulassungspflichtiger Tätigkeit bei der Gewerbeanmeldung vorzulegen (z.B. Handwerkskarte von der Handwerkskammer, Erlaubnis nach § 34 d GewO von der IHK, Erlaubnis für Gastronomen durch das zuständige Ordnungsamt).
Die Kosten für eine Gewerbeanmeldung belaufen sich zwischen 10 und 50 Euro, je nach Festlegung durch das entsprechende lokal zuständige Gewerbeamt.
Mit der Gewerbeanmeldung (mit Ausnahme der Handwerkbetriebe) wird man automatisch Pflichtmitglied in der jeweiligen regional zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK). Von der IHK bekommen Sie dann ein Formular zugeschickt, um darin unter anderem Ansätze zu den voraussichtlichen Umsatzerlösen zu machen (als Basis für den festzusetzenden Kammerbeitrag). Bei Kleinbetrieben ist die Mitgliedschaft in der IHK bis zu einer Gewinngrenze von derzeit 5.200 Euro (Jahresbasis) gebührenfrei. Existenzgründer, deren Jahresgewinn in den ersten beiden Jahren jeweils unter 25.000 Euro liegt, bezahlen ebenfalls keine Beiträge. Über die IHK haben Sie auch die Möglichkeit, Seminare für Existenzgründer zu besuchen bzw. sich kostenfrei zu relevanten Themen zu informieren.
Nach erfolgter Gewerbeanmeldung wird durch das Gewerbeamt automatisch das Finanzamt informiert, das örtlich für den neu gegründeten Betrieb zuständig ist. Nach ca. zwei Wochen erhalten Sie vom Finanzamt den steuerlichen Erfassungsbogen zugeschickt, den Sie ausfüllen und an das Finanzamt zurückschicken müssen. Der steuerliche Erfassungsbogen des Finanz-amts hat es aber „in sich“. Hier werden gleich zu Beginn der selbständigen Tätigkeit oft Fehler gemacht, die nicht immer oder die nicht leicht zu korrigieren sind. Sollten Sie den Fragebogen ohne Hilfe eines Experten (z.B. dem Steuerberater) ausfüllen und dabei Fehler machen, mer-ken Sie dies womöglich erst zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem das steuerliche Kind aber bereits in den Brunnen gefallen ist.
Im Fragebogen des Finanzamtes werden unter anderem folgende Angaben gemacht.
  • Allgemeine Angaben zur Person und Tätigkeit und Firmenanschrift inklusive Korrespondenzangaben.
  • Art der Gewinnermittlung (Betriebsvermögensvergleich durch Bilanzierung oder Einnahmen- Überschussrechnung) und voraussichtlicher Umsatz und Gewinn.
  • Wichtige Angaben zur Umsatzsteuer (Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung).
  • Antrag auf Erteilung einer Umsatzsteueridentifikationsnummer.
In einem fachlichen Folgebeitrag gegen wir auf die Details des steuerlichen Erfassungsbogens des Finanzamts ein (die genaue Bezeichnung lautet: Fragebogen zur Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit bzw. Beteiligung an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft). Damit wollen wir vermeiden, dass Sie durch Unwissenheit falsche Angaben machen, die unter Umständen erhebliche negative finanzielle Folgen für Sie und Ihr junges Unternehmen haben. Informationen rund um die Aufnahme einer land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit erfordern auch einen eigenen Fachbeitrag, den wir noch veröffentlichen.
(Autor: Dr. Rainer Schenk, Steuerberater, Juni 2016)
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