Liebe LeserInnen und Interessierte ich möchte nochmals bekräftigen, dass die Bedeutung der Beratung von Startups für unsere Beratungskultur des Berufsstandes der Steuerberater sehr wohl notwendig und wichtig ist.
Gerade im Hinblick auf die Finanzierung von Startups gibt es in der deutschen Bankenlandschaft erhebliche Restriktionen und Probleme. Hierbei können wir als Berater durchaus zum Trouble Shooter und Mediator werden, weil wir, oder zumindest ein Teil der Berater hierfür die nötige Kompetenz und Erfahrung haben.
Ohne unsere Hilfe wird es von vorne herein schier unmöglich, dass Banken generell erst einmal die Bereitschaft zeigen, Startups finanzieren. Tatsache ist nämlich, dass fast alle staatlichen Förderprogramme nur durch das Zwischenschalten einer normalen Bank realisiert werden können (man nennt das das sogenannte „Hausbankprinzip“). Hier befinden wir uns bereits im Kern des Problems bei der Finanzierung von Startups.
Es mag Ausnahmen bei Banken geben, aber generell und mehrheitlich sieht die mehr oder weniger synchrone Geschäfts- und Kreditvergabepolitik der Banken nicht vor, ohne signifikante Sicherheiten oder Eigenmittel, Startups zu finanzieren. Beides ist in der Regel nicht vorhanden. Das Risiko, des Geldverlusts durch die Bank ist ohne Eigenmittel und Sicherheiten zu groß. Auch mit Fördermitteln hat jede bank noch ein Eigenrisiko (Eigenobligo) zu tragen.

Hinzu kommt der geringe Ertrag für die Hausbank beim Einsatz von Fördermitteln, der im Schnitt derzeit nur ca. 1% (Zins-Differenz) beträgt.
Im Übrigen gibt es eine aktuelle Studie der KfW, die besagt, dass kleine und junge Unternehmen in Deutschland in ca. 60% der Fälle Schwierigkeiten mit der Finanzierung durch typische Hausbanken haben.

Das Risikoverhalten der Banken und die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe bis hin zur Kreditverweigerung verstärkt sich dann aber noch, wenn die angehenden Unternehmer (das Startup) mit einem unzureichenden Businessplan bei der Bank an die Tür klopfen. Rund 70% der Startups, die scheitern, scheitern an Finanzierungsproblemen, einhergehend mit einer schlechten Finanzplanung bereits zu Beginn des Vorhabens und einem anschließenden mangelhaften Controlling Der Finanzplan ist der wichtigste Bestandteil eines jeden Businessplans. Ohne professionelle Hilfe unter Verwendung von Standards im Aufbau und der Struktur werden die meisten Businesspläne daher „in der Luft zerrissen“. Kompetente Steuerberater mit Erfahrung aus der Finanzierungspraxis können hier goldene Brücken für die Startups bauen. Berater, die Startups erfolgreich beraten haben, genießen regelmäßig einen Vertrauensvorschuss bei den Banken, sodass sehr oft die Kreditvergabepolitik in diesen Einzelfällen positiv zu Gunsten des Startups durch den Berater beeinflusst werden kann.
Natürlich sollte der Berater Profi auch Alternativen zur Bankfinanzierung kennen und dem Startup vorschlagen, wobei es hier im Wesentlichen um den Einsatz von private equity oder Risiko Kapital (VC-Kapital) geht. Die alternativen Finanzierungsinstrumente können als Ersatz für den Finanzierungsklassiker „Bankkredit“ verwenden werden. Der VC Kapitalmarkt in Deutschland ist relativ eng, vor allem im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn oder zu der Lage in den USA. Crowdfunding als innovativste Form des VC Kapitals ist damit eingeschlossen ist.
Leider sind die staatlichen Förderinstitute noch nicht so strukturiert, dass man bei Vorhandensein einer VC Finanzierung das Hausbankprinzip bei Fördermitteln umgehen kann. Aber in bestimmten Fällen kann der Dreiklang Bankkredit, VC Kapital und Fördermittel zu einer Durchfinanzierung des Startups führen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass VC Capital (auch Crowdfunding Kapital) als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet wird und damit das Risiko der Hausbank reduzieren kann bzw. ein Engagement der klassischen bank erst ermöglicht. Folge ist dann auch der Einsatz von Fördermitteln. Ergebnis ist eine runde Gesamtfinanzierung.

Wir haben derzeit in Deutschland rund 60.000 Startups, die auf der Suche nach einer Finanzierung sind. Bei einem durchschnittlichen Finanzierungsbedarf von 100 TEUR je Startup wäre das ein Finanzierungsbedarf von 6 Mrd. Euro. Das kann derzeit in Deutschland nicht geleistet werden. Es bleibt bei einer Unterversorgung mit Kapital und dafür sind die klassischen Banken mit verantwortlich. Ferner sollte der Staat flexibler werden und die Förderprogramme den Erfordernissen der digitalen Wirtschaft anpassen. Ansonsten bekommt die deutsche Volkswirtschaft langfristig Probleme.
Dr. Rainer Schenk, Steuerberater
www.kanzlei-schenk.eu